Am 20. August setzte das Dokumentationszentrum Verden im 20. Jahrhundert e. V. seine beliebte Vortragsreihe über Verdener Persönlichkeiten in herausfordernden Epochen des 19. und 20. Jahrhunderts fort.
Zur Eröffnung im Ratssaal des Verdener Rathauses unterstrich der Vorsitzende Hermann Deuter die Wichtigkeit demokratischer Vorbilder – gerade in einer Zeit, in der antidemokratische Strömungen wieder an Einfluss gewinnen.
Im Anschluss an das Grußwort von Bürgermeister Lutz Brockmann schilderte Hermann Deuter das Wirken des Zigarrenarbeiters und Gewerkschaftsführers Conrad Wode in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Arbeiterbewegung und die sich bildende SPD waren ständig von staatlichen Repressalien, von Verboten und Verhaftungen bedroht. Nach politischen und privaten Rückschlägen emigrierte Wode im Jahr 1880 in die USA. Heute erinnert eine Straße an Conrad Wode.
Hermann Deuter referierte über den Verdener Arbeiterführer Conrad Wode.
Fotos: Kathrein Goldbach
Am Beispiel des Domorganisten Alfred Hoppe erläuterte Hans-Jürgen Lange die ambivalente Haltung der Kirche im Angesicht ihrer Politisierung durch die nationalsozialistischen Machthaber. Alfred Hoppe hatte es gewagt, während einer Gedenkveranstaltung am 29. April 1933 in Anwesenheit des ehemaligen preußischen Kriegsministers v. Einem am Ulanen Denkmal, im Dom ein Orgelkonzert zu veranstalten. Er wurde noch während des Konzerts von SA-Männern von der Orgelband gerissen. 1934 musste er seine Organistenstelle am Dom aufgeben, arbeitete weiterhin als Lehrer an der Nicolaischule und wurde nach Kriegsende im Nebenberuf als Organist an der Andreaskirche eingestellt.
Hans-Jürgen Lange referierte über den Domorganisten Alfred Hoppe.
Fotos: Kathrein Goldbach
Die Entnazifizierung von Lehrkräften nach 1945 war Thema des Vortrags von Ulrich Hennies. Anhand von Beispielen wurde das Verfahren erläutert, das, nachdem es von den englischen auf deutsche Spruchkammern übergegangen war, meist mit Wiedereinstellungen (71 % in der brit. Zone) endete.
Über das Schicksal jüdischer Verdenerinnen und Verdener gab ein verlesenes Interview mit Jürgen Weidemann Aufschluss, in dem es um seine Kontaktaufnahme mit Überlebenden und deren Familien in den USA und Israel ging. Jürgen Weidemanns Engagement gipfelte in drei Treffen: 1989 – 1993 – 1997. Seine Rolle als Initiator einer aktiven Erinnerungs- und Versöhnungspolitik der Stadt wurde in seinem Beisein an diesem Abend gewürdigt.
Jürgen Weidemann war als Gast sehr herzlich willkommen und wurde als Initiator einer aktiven Erinnerungs- und Versöhnungspolitik der Stadt gewürdigt.
Fotos: Kathrein Goldbach
Margarete Eckermann berichtete von ihrer langjährigen Freundschaft mit einem Überlebenden und seiner Frau. Werner Baumgarten war 1938 nach Palästina emigriert, änderte seinen Namen in Uri Bustan (hebr.: Obstgarten) und lernte seine Frau Helena (Lene) kennen. Beide nahmen an den drei Treffen in Verden teil, welche von Lene als ergreifend, das 2. Treffen sogar als „locker und frei von aller Bedrücktheit“ beschrieben wurde.
Als letzte Vortragende ging Ruth Kahlke-Kuipers, ausgehend von der erfolgreichen Weigerung Elke Guillaumes in den 1980er Jahren, sich zur „Amtsmännin“ ernennen zu lassen, auf die Gender-Sprache in einer patriarchalischen Gesellschaft ein, wie sie noch heute vielfach zu finden ist.
Ruth Kahlke-Kuipers ging aktuell auf ambivalente Begrifflichkeiten in der Gender-Sprache ein, wie sie in einer patriarchalischen Gesellschaft noch heute zu finden sind.
Fotos: Kathrein Goldbach
Im Anschluss an den gut besuchten Vortragsabend konnte ein doz20-Themenheft mit allen Beiträgen – „Sternstunden der Demokratie2“ erworben werden. Dieses Heft ist auch im örtlichen Buchhandel und im doz20 am Holzmarkt 13 erhältlich.


